Asse 2 ist das ideale Endlager
Asse?
Also Asse 2 ist ein Salzbergwerk, wo man das Salz durch Atommüll ersetzt hat. Klingt komisch, ist aber so. Ein Bergwerk, wo man was reintut, nennt man Lager. Eine Lager, wo man bis zum Ende der Welt nichts mehr rausholt, nennt man Endlager. So einfach ist das: Asse 2 ist ein Endlager, weil keiner den Atommüll mehr haben will.
Das Coole an der Asse ist nun, daß sie nicht nur ein Endlager für Atommüll ist, sondern auch für alles mögliche andere. Was ja auch voll in Ordnung ist, wenn man mal genauer drüber nachdenkt: so sicher wie in einem Atommüll-Endlager wird man Müll nie wieder los. Und Sicherheit wird in der Asse großgeschrieben. Da werden die Regeln der Rechtschreibung garantiert eingehalten, dafür sorgt die Bundesregierung. Nochmal: Sicherheit wird von den Betreibern der Asse großgeschrieben. Im Gegensatz zu verantwortung - die wird in Sachen Atomenergie immer klein geschrieben, aber mit Fremdworten ist das ja auch so eine Sache.
Nun gibt es da nur ein kleines Problem: In der Gegend wohnen Berufsnörgler, das sind Leute, die sich zu ständiger Nörgelei berufen fühlen. Berufsnörgler erkennt man zum Beispiel daran, daß sie einen Disclaimer verwenden. Man könnte das nun abtun und sagen: die haben ja keine Ahnung. Aber so einfach ist das nicht, schließlich unterscheidet sich der Berufsnörgler vom Durchschnittspolitiker dadurch, daß er über eine bestimmte Art von Sachkenntnis verfügt. Leider haben diese Nörgler eine recht einseitige Sicht auf die ganze Problematik und reagieren mit reduktionistischer Argumentation. "Arsen im Endlager? Iiii, das ist ja giftig - wir werden alle sterben!" oder "Das Bergwerk läuft mit Lauge voll und das Gift verteilt sich vom Harz bis nach Lüneburg? Die Welt geht unter!"
Dabei wird das alles nicht so heiß gegessen, wie es im atomaren Restfeuer gekocht wird.
Perspektiven: Asse 2 ist das perfekte Endlager
Für Politiker
Stell dir vor, du kannst bei deiner Arbeit so viele Fehler machen, wie du willst, und bekommst trotzdem richtig fett Kohle. Du unterliegst dabei keinerlei Haftung und die Fehler kommen - wenn überhaupt - erst ans Tageslicht, wenn du schon lange außer Dienst (oder Bundeskanzlerin) bist. So ist das, wenn man als Politiker über Atommüll entscheidet. Keine Verantwortung, kein Risiko. Wenn die radioaktive Salzlauge aus einer Quelle sprudelt und die Schafe in der Lüneburger Heide auf einmal Nachts leuchten - dann ist von den "verantwortlichen" Politikern keiner mehr am Leben. Darum: die Asse ist das perfekte Endlager für Politiker!
Für Bürger
Erinnerst du dich noch daran, wie damals, als das Helmholtz-Zentrum noch das Sagen hatte, jeden Tag 18 Eisenbahnwaggons mit Salzhaufwerk in das Bergwerk gebracht wurden? Das haben die gemacht, damit auch ja kein Sauerland-Terrorist den Atommüll jemals wieder ausgräbt. Tja, wenn ich eine GmbH hätte, würde ich auch versuchen, so einen lukrativen Auftrag an Land zu ziehen. Doch damit ist nun Schluss, weil die Asse nun vom Bundesamt für Strahlenschutz verwaltet wird. Das ist das Ende der Geldmacherei im Endlager, nun hat endlich keiner mehr was davon: kein Profit, kein Nutzen, ganz im Sinne des Steuerzahlers!
Für die Atomindustrie
Ein Endlager, das vom Steuerzahler bezahlt wird. Wie cool ist das bitte? Stell dir vor, man bezahlt dich, um Atommüll zu produzieren - und dann darfst du den Müll *ohne* Gebühren auf die Straße werfen, weil die Allgemeinheit das Wegräumen bezahlt. Das nenne ich mal eine Win-Win-Situation. Außerdem sind Staaten viel haltbarer als Firmen, darum kann die Atomindustrie sicher sein, daß der Müll da bleibt, wo er ist: im Staatsbesitz.
Für den deutschen Bergbau
Ohne Atombergbau gehen in deutschen Schächten schon in wenigen Jahren die Lichter aus! Und das Image der Bergleute erst, wie soll man sich das ohne Endlager vorstellen? Schon heute werden die Kumpel im Kohlebergbau hinter vorgehaltener Hand als "Treibhaussöldner" und "subterrane CO2-Schädlinge" bezeichnet. Das muß ein Ende haben! Nur der Bergbau im Endlager bietet eine saubere Perspektive. Und es ist ein sicherer Arbeitsplatz: die Kohle reicht nur noch für ein paar Jahrzehnte, von dem Atommüll haben wir noch Jahrtausende gut! Also Kumpels: wenn das keine guten Aussichten sind, was dann? Nie wieder wird man euch wegen des Kohlepfennigs als "Subventionsschmarotzer" bezeichnen, denn den Atom-Euro wird jeder ordentliche Bürger mit strahlendem Gesicht gerne zahlen!
Für die Wissenschaft
Wie breiten sich eigentlich radioaktive Salzlaugen im Untergrund aus? Das weiß doch keiner so genau. Erst mit Asse 2 werden wir im Laufe der Jahrhunderte fundierte Erkenntnisse erwerben können. Deutschlands Zukunft als Wissenschaftsstandort ist damit gesichert! In ein paar hundert Jahren werden eure Kindeskinder mit ihren von Arsen und Uran mutierten Doppelköpfen wohlwollend nicken und einander sagen: "Dank der Endlagerpolitik der Jahrtausendwende konnten wir endlich Klarheit gewinnen, wie weit die unterirdischen Wasserschichten zwischen Marbug und Hildesheim reichen." Und dann steigen sie in ihre Zeitmaschinen, um ein paar Leuten tüchtig eins auf die Omme zu geben...
Für das deutsche Gesundheitswesen
Ärzte, die am Hungertuch nagen, Krankenhäuser, die vor der Pleite stehen, Apotheker, die ihre Wuchermonopole nur noch mit juristischer Rabulistik rechtfertigen können: das muß nicht sein. Man stelle sich mal vor: wenn das Grundwasser in einem breiten Landstrich unbrauchbar wird und sich ein großes Gebiet in eine Todeszeone verwandelt, bei deren Anblick Monsanto-Manager feuchte Augen bekommen und in Versuchung geraten, ihr nächstes Herbizid "Asse-X" nennen... Die Praxen werden dank Arsen und Plutonium endlich wieder voll sein mit Patienten. Medizinische Leistungen werden endlich wieder nachgefragt! Und was dem Gesundheitswesen recht ist, ist der Rentenkasse billig...
Fazit
An der Asse 2 als Endlager führt kein Weg vorbei. Mehr noch: ein Endlager wird kaum reichen, um ganz Deutschland in eine strahlende Zukunft zu führen. Jede größere Stadt sollte ihr eigenes Endlager bekommen. Dank dem Handel mit Verschmutzungsrechten könnte sich da ein Milliardenmarkt auftun, bei dem es nur Gewinner gibt. Kindergärten auf Giftmülldeponien aufzubauen ist doch kein Verbrechen, sondern eine Investition in die kommende Generation! Wenn wir erst mit dem Import von Atommüll anfangen, werden uns unsere europäischen Nachbarn um diese anthropogenen Bodenschätze beneiden. Daher: Wir brauchen mehr Endlager, Asse 2 kann nur der Anfang sein!

